Universelles Verständnis der Konservierungs- und Restaurierungswissenschaft

Wenn Fachtagungen von meinen Kolleginnen und Kollegen mit dem Fokus auf die jeweiligen Vorträge und Workshops der restauratorischen Fachausrichtung hin besucht wurden und vermutlich noch werden, so habe ich dies nie verstanden. Über den eigenen Tellerrand zu schauen ermöglicht mir die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und Anderen und die ständige Überprüfung und Aktualisierung meine Tuns.

Diese Aufgeschlossenheit, Reflexions- und Aktualisierungsbereitschaft kommt meiner Arbeit in doppeltem Sinne entgegen. Erstens prädestiniert  sie mich für die Zusammenarbeit mit Schadens-sanierungsdienstleistern, den sog. Brand-/Wassersanierungsfirmen, weil diese bei "höherwertigem Hausrat" und "Kunst" mit verschiedensten Gattungen und Materialgruppen zu tun haben und hierfür gerne mit einer kompetenten Ansprechpartnerin zusammenarbeiten. 

Zweitens befähigt es mich zu einer sensiblen und individuell angepassten Übertragung meiner seit 1985 angesammelten Erfahrungen und restauratorischen Kenntnisse auf meine Arbeitsbereiche Gemälde, Skulpturen und moderne/ zeitgenössische Kunst und meinen Spezialgebiet (außereuropäisches) sakrales Kunst- und Kulturgut.

Ein dritter Pluspunkt: Sie erhalten diese Erfahrungskompetenz aus einer Hand. In meinem Unternehmen bin ich Geschäftsführerin, Beraterin, Betreuerin, Restaurierungsgutachterin, Recherchierende, Dokumentierende und Ausführende. Allerdings mit der selbstverpflichtenden Option, mich in fachübergreifenden restauratorischen Fragestellungen nicht ausschließlich auf die erworbenen Restaurierungskenntnisse des Studiengangs "Restaurierung und Konservierung von Gemälden und gefassten Holzskulpturen" an der FH jetzt TH Köln in den Jahren 1990 bis 94  und der über zwei Dekaden Freiberufler*innenpraxis auszuruhen. Vielmehr in solchen Fällen mein Netzwerk an Kolleginnen und Kollegen anderer Fachbereiche zu Rate zu ziehen oder um tatkräftige Unterstützung zu bitten.

Letzteres wiederum ermöglicht mir erst die ganzheitliche Bearbeitung meines Spezialgebiets der Rollbilder des tibetischen Kulturraums, der sogenannten Thangkas. Neben einem Bildteil sind diese in Gewebeeinfassungen eingenäht, so dass die Zusammenarbeit einer Kollegin/ eines Kollegen aus dem Textilbereich notwendig sein kann.

Last but not least führte mich meine Ausbildungszeit vor Beginn der Freiberuflichkeit, was meine seither über drei Dekaden restauratorische Arbeit komplettiert, auch "an die Wand". D. h. das Reinschnuppern in den Fachbereich Wand/ Stein mit wandfüllenden Malereien und Dekoren weltlicher und religiöser Themen sensibilisierten mich darauf, "von groß nach klein" zu arbeiten, was bedeutet, dass ich mich nicht im Kleinen verliere, sondern das große Ganze im Auge behalte und meine restauratorischen Maßnahmen damit automatisch auf das Notwendigste beschränke.

Der Kreis schließt sich von der fachübergreifenden Ausbildung zur fachübergreifenden und interkulturellen Arbeit hin zu einem interdisziplinären und interkulturellen Forschungsansatz.